Buchtipp: Lawine.

21.01.2012

Lawine. Die entscheidenden Gefahrenmuster erkennen.

Das Buch gibt praktische Tipps um mögliche Lawinen-Gefahren besser einschätzen zu können.

Die beiden Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair und Patrick Nairz, haben gemeinsam ein Praxis-Handbuch für Wintersportler verfasst. Unter dem plakativen Titel „Lawine. – Die entscheidenden Gefahrenmuster erkennen“ bündelt das Buch das Wissen aus 20 Jahren Unfallanalyse des Tiroler Lawinenwarndienstes. Anhand konkreter Lawinenunfälle haben die beiden Autoren zehn Muster herausgearbeitet, die Bergsportlern als Kriterien zur Beurteilung der Situation dienen sollen.

Bei den Mustern handelt es sich laut den beiden Experten um wiederkehrende, offensichtliche Gefahrensituationen und Ereignisse, die sich in Klassen untergliedern lassen. Dieser Ansatz sei prinzipiell nicht neu. Bereits vor 30 Jahren habe man bei der Entwicklung von Lawinenvorhersagemodellen auf historische Schadensereignisse zurückgegriffen.

Historisches Datenmaterial
Um die Lawinengefahr zu prognostizieren, habe man die aktuellen Wetterparameter mit dem historischen Datenmaterial verglichen. Dabei wurde unter anderem ein Zusammenhang zwischen beobachteten Lawinenabgängen und der Kombination aus intensivem Neuschneezuwachs, starkem Wind und rascher Temperaturänderung erkannt und beschrieben.

Dieses System versagte laut dem Autorenteam aber bei diffizileren Situationen, weil einer der wichtigsten Parameter, der Schneedeckenaufbau, nicht berücksichtigt wurde. Genau diese Kombination, zwischen dem jeweiligen Schneedeckenaufbau und dem darauffolgenden Wettergeschehen, wird in der Analyse der beiden Experten miteinbezogen. Beispielsweise würden sich die meisten Unfälle bei dem Gefahren-Muster „Schnee nach längerer Kälteperiode“ ereignen.

Daneben kategorisierten sie die Muster „der zweite Schneefall“, „Gleitschnee“, „Regen“, „kalt auf warm/warm auf kalt“, „kalter, lockerer Neuschnee und Wind“, „schneearme Bereiche in schneereichen Wintern“, „eingeschneiter Oberflächenreif“, „eingeschneiter Graupel“ und „Frühjahrssituation“.

Zehn Gefahren-Muster
Die zehn Gefahren-Muster würden in Summe mindestens 98 Prozent sämtlicher während der Wintersaison auftretenden Gefahrensituationen abdecken. Das Buch richtet sich sowohl an Laien als auch an Experten. Für den Laien werden in einem Wissensteil grundlegende Informationen zur Schnee- und Lawinenkunde behandelt, Experten würden vor allem von der im Hauptteil beschriebenen Unfallanalyse profitieren. Das Buch ergänzt die gängigen Strategien des Risikomanagements wie „3 mal 3“ oder „Stop or go“.

Rudi Mair wurde 1961 in Innsbruck geboren und studierte Meteorologie und Glaziologie. Er ist seit 1999 Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, seit 2000 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Meteorologie, Lawinenkunde, -unfälle und -schutz. Patrick Nairz wurde 1970 in Innsbruck geboren und studierte Wildbach- und Lawinenverbauung in Wien und Vancouver. Seit 1999 ist er stellvertretender Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, seit 2009 Leiter der Arbeitsgruppe der europäischen Lawinenwarndienste. (APA)

Rudi Mair / Patrick Nairz: „Lawine. Die entscheidenden Gefahrenmuster erkennen.“ Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien, 208 S., 27,95 Euro, ISBN 978-3-7022-3086-9




Wintereinsatzübung 2011/2012

07.01.2012

Am 6. Jänner findet bei klassischem Einsatzwetter die Wintereinsatzübung 2011/2012 statt. Eine herausforderende Übung, die die Einsatztruppe letztlich mit Erfolg meistert, die aber auch zeigt, dass Lawineneinsätze höchste Ansprüche an einen Einsatzleiter und die Mannschaft stellen – speziell bei „Einsatzwetter“.

Wir starten am frühen Morgen vom Rathaus Kötschach in Richtung Plöckenhaus um in weiterer Folge zum Einsatzort, der Oberen Spielbodenalm, aufzusteigen. Dort angekommen, wartet auf die Einsatzleiter Günther Schmid und Herwig „Pogo“ Winkler und ihre Teams ein Unfallszenario mit einer Mehrfachverschüttung in 2 Lawinenkegeln. In knapp 15 Minuten ist die erste verschüttete Person von unserem Lawinenhund „Nemo“ (geführt von Eckart Salcher) gefunden und geborgen. Weitere 3 Verschüttete werden rasch mittels Pieps-Ortung gefunden, die Ortung und Bergung von 2 Lawinenopfern ohne Pieps durch Sondieren des Lawinenkegels dauert etwas mehr als 1 Stunde und markiert das Ende unserer Übung.

Die gesamte Übung findet bei äußerst widerigen Witterungsverhältnissen statt – heftiger Wind und eisige Kälte machen die Übung zu einer echten Herausforderung und bringen die mehr als 20 Mann starke Einsatztruppe ans Limit.

Im Rahmen der intensiven Nachbesprechung im Gasthof „Lamprechtbauer“ werden die Erkenntnisse aus der Übung nachbesprochen, Lehren gezogen und entsprechende Maßnahmen abgeleitet. In Summe zeigen sich Einsatzleiter und Ausbildungsleiter des Vereins zufrieden, auch wenn einige Punkte im Wintereinsatz deziert und zu verbessern und zu üben sind.

[Bernd]