
Ein Nachruf von Roland Pranter:
Geschätzter Herr Pfarrer, werte Trauerfamilie liebe Trauergäste
Es ist immer schwierig vor einem Sarg zu stehen und die geeigneten Worte zu finden.
Was sollten diese Worte bewirken? Sollten sie auf der einen Seite die Hinterbliebenen in ihrem Schmerz trösten oder sollte man das Leben unseres Bergrettungskameraden nochmals vorüberziehen lassen.
Der Tod gehört wie die Geburt zum Werdegang eines Lebens – obwohl wir fast immer darauf vorbereitet sind, stimmt uns ein Ableben immer schmerzlich ja sogar erfüllt es uns mit Trauer.
Anderl Heckmair – einer der Erstbesteiger der Eiger Nordwand sagte:
Ein Bergsteiger ist meines Erachtens nicht, wer nur extreme Touren unternimmt oder nur eine Zeit lang „bergsportlich“ tätig ist, sondern wer auf Dauer dem Berg im weitesten Sinne als Lebensideal verbunden bleibt.
Dieses Lebensideal passte genau auf unseren Bergrettungskameraden Norbert Steindl.
In ein paar Worte möchte ich das Leben und Wirken unseres Bergrettungskameraden rewü passieren lassen.
Norbert war maßgeblich am Aufbau unseres alpinen Rettungswesens beteiligt und hat auch an der Gründung der Ortsstelle Kötschach-Mauthen aktiv mitgewirkt. Obwohl er erst offiziell im Jänner 1965 in den Bergrettungsdienst eintrat, arbeitete er schon seit 1950 aktiv im Bergrettungsdienst mit. Norbert war es auch gewohnt Verantwortung zu übernehmen, so war er Ortsstellenleiterstellvertreter von 1958 bis 1962 und von 1977 bis 1988 weiteres war er Kassier von 1967 bis 1970.
Geprägt von seinen Einsatzwillen und seiner Disziplin in den Bergen war er auch steht’s ein Vorbild – für Jung und für Alt. Bis ins hohe Alter interessierte er sich immer wieder um die Vorgänge im Bergrettungsdienst.
Norbert war auch bei sehr vielen Einsätzen an vorderster Front dabei – einige Einsätze möchte ich stellvertretend hier erwähnen:
1952 – Suche und Bergung eines tödlich abgestützten Touristen in der Südflanke der Seewarte – 2 Tage bei widrigsten Wetterverhältnissen – er bekam dafür eine „Belobende Anerkennung“ durch BM f. Inneres
1956 – Bergung einer verletzten Schifahrerin von der Eduard Pichl Hütte bis zur Kreuztratte – mit der Trage und Akja – unter schwierigsten alpinen Verhältnissen, da große Lawinengefahr herrschte.
1957 – den wohl schwierigsten und traurigsten Einsatz – Vater und Tochter Strobel verunglückten an der Südwestwand der Seewarte nach einem Wettersturz – die Bergung dauerte 5 Tage unter katastrophalsten Wetterbedingungen.
1971 – dies war wohl sein persönlich schwerster Einsatz – bei einer schwierigen Seilbergung aus der Nordwand der Seewarte wurde Norbert von einem gewaltigen Steinschlag getroffen und schwerstens verletzt. Er war monatelang im Krankenhaus – aber er kämpfte sich wieder zurück an die Spitze der Einsatzgruppe.
Harald Berger – einer der besten Bergsteiger der Gegenwart, der leider 2006 tödlich abstürzte, sagte:
Die größte Kunst beim Bergsteigen ist, dass man dabei auch alt wird.
Norbert du hast diese Kunst gelebt. Nun wollen wir dir ein letztes Berg heil nachrufen und uns bedanken dass wir gemeinsam einen Teil deines Lebens mitgehen durften.
Berg Heil und Servus Norbert