Gedanken zur Gedenkmesse Kurt Kristler
vom Ortsstellenleiter Klaus Hohenwarter
Wir befinden uns hier bei einer Gedenkmesse. Wie das Wort schon sagt, wollen wie bei dieser Messe an unseren Freund, Kollegen und Bergkamerad Kurt Kristler mit Wehmut, aber auch mit Freude über sein Wesen, seinem Charakter und seinen Leistungen zurück denken.
Kurt wuchs mit 6 Geschwistern, einer Schwester und fünf Brüdern, in Kötschach auf. Die Geschwister eher ruhig – Kurt dagegen, sehr extrem was Sport allgemein bzw. was Bergsport betrifft. So trotzte er mit seinen Freunden, den Klabauterern, so manchen schönen Gipfel in den Karnischen Alpen seinen Respekt ab. Motiviert durch die liebe zur Bergwelt trat Kurt am 1.Mai 1988 dem Bergrettungsdienst in Kötschach Mauthen bei. In diesem Jahr heiratete er auch seine liebevolle Ricki am Eiskar. So wurde sie zur „Eiskarbraut“.
In der nächsten Zeit machte er nicht nur die Ausbildung zum Bergretter, sondern auch zum Berg- und Schiführer, den er 1992 auf der Oberwalder Hütte mit Erfolg abschloss.
Ebenfalls 1992 übernahm er bei der Bergrettung Kötschach Mauthen die Ausbildung und unter seiner Bauleitung wurde nach Plänen von Lederer Sepp die Mauthner Klamm ausgebaut. Auf 6km Wegstrecke wurden bei über 500 Arbeitsstunden von Mitgliedern der Bergrettung und des ÖAV, 420m Seil verbaut und 230Trittbügel gebohrt. Am 15. August wurde der sogenannte „Klabautersteig“ im Rahmen eines Festes feierlich eröffnet. Erstaunlich ist, dass Kurt mit Obereder Günther einen Tag zuvor den Karnischen Höhenweg von der Sillianer Hütte bis Nassfeld lief. Dies in unglaublichen 21 Stunden und 15min . Es sind ja nur 120km und 11.000hm. Etappenläufer waren: Luser Jakob, Mörtl Michael, Mörtl Wolfgang, Kristler Wolfgang, Kristler Albert, Gasser Leo und Tamile.
Durch ein Buch von Doug Scott wurden er und seine Berggefährten auf den im Himalaja befindlichen 6.543m hohen, Heiligen Berg, den Shivling aufmerksam und beschlossen den Gipfel, der 14Jahre zuvor erstbegangen wurde, nun, als zweite Seilschaft über die Wand des Ostpfeilers zu bezwingen.
Durch seinen Ehrgeiz, seine Zielstrebigkeit und das Ziel, den Shivling als Motivator, lief er so manchen Marathon wie zB. Wien und Berlin. Fuhr mit dem Rad nach Rom (734km in 37 Stunden). Oder machte so mach schwierige Winterbegehungen bzw. Überschreitungen in den Karnischen.
Weiters zu erwähnen ist natürlich die Begehung des Montblanc im August 1994. Nicht nur von Chamonix, sondern nonstop mit dem Rad von Kötschach Mauthen quer durch Norditalien (über 700km) und dann gleich auf das Dach Europas mit 3800hm und dies in 59 Stunden und 23 min. Oder die Begehung der Ortler-Nordwand (3.905m) über die Messnerroute und dem Nordost Grat mit Wolfgang Mörtl am 11.10.1994.
Eine der letzten Vorbereitungen für den Shivling war wohl die Eroberung der drei höchsten Berge Ostafrikas mit Wolfgang Mörtl. Zwischen den Bergen vom Mount Kenia (5.199m), Kilimanjaro (5.896m) und den Ruwenzoris (5.109m) fuhren sie ca. 1.200km mit dem Rad. Durch die starken Regenfälle verlangte diese Tour ihnen wohl das letzte ab. Die Räder bliebe Zeitweise im Schlamm stecken bzw. waren die Touren in den Bergen sehr stark eis- und steinschlaggefährdet.
Am 6. Juli 1995 war es dann soweit. Drei Gailtaler Bergsteiger Kurt Kristler, Wolfgang Mörtl und Christian Wassertheurer hissten auf dem 6.543m hohen Himalaja-Gipfel Shivling die Kärntner Fahne. Erst ein Mensch, der Engländer Doug Scott, hat 14 Jahr zuvor den Berg bezwungen. Eine japanisch/französische Seilschaft ist kurz vor den Kärntnern gescheitert. Zwölf Tage waren die Drei in über 5.000 m Höhe im Himalaja, ganz im Norden Indiens auf sich allein gestellt. Das schlechte Wetter brachte sie zur Verzweiflung. Sie riskierten es und durchstiegen den Ostpfeiler in drei Tagen. In den Nächten rasteten sie in Biwaksäcken ohne Zelt bei minus 25Grad. Für Triumpfgefühle am Gipfel blieb wenig Zeit. Den der Abstieg, zwei Tage über den Pfeiler und über den Grat am Seil zurück verlangte noch größte Konzentration.
Kurt Kristler hat bestimmt noch einige solcher Abenteuer in seinem Tourenbuch. Aber dies würde den heutigen Rahmen sprengen.
Auch beruflich hat sich Kurt immer mehr zu den Bergen und zu der Natur begeben. Als gelernter Kaufmann in Mauthen wechselter er schon bald in die Baubranche. Mit seiner Ricki bewirtschaftete er von 1995 drei Sommer lang den Zollner sowie 1998 und 99 Sommer und Winter die Untere Valentinalm. Natürlich auch Berg- und Schiführer. Als Liftwart und als Senner, war er auf der Emberger Alm voller Ehrgeiz und mit neuen Ideen bei der Arbeit. Und so erreichte uns am 29.April 2003 die Schreckensbotschaft, dass unser Bergrettungskamerad Kurt Kristler beim Errichten eines Maibaumes tödlich verunglückte.
Der „Graf“ meint in einem Lied:
Wir war’n Geboren um zu Leben
mit den Wundern jeder Zeit,
sich niemals zu vergessen
bis in aller Ewigkeit.
Kurt hat in seinem aktiven Leben – in der viel zu kurzen Zeit, die er bei uns sein durfte, viele Ideen verwirklicht. Seine Kameradschaft, seinen Charakter aber vor allem seine extremen, vorgenannten Leistungen werden wir nie vergessen. Seine Begleiter meinten – wenn wir bei Etappen müde wurden – wurde Kurt erst warm.
Liebe Ricki, Kerstin, Kurt – Es sind ja sehr viele Wegbegleiter von Kurt gekommen und ich möchte mich bei euch, in Namen aller hier anwesenden für die Einladung bedanken. So können wir nämlich die alten Geschichten bzw. Erlebnisse wieder aufleben lassen. Danke.




