Tragödie an der Carla Maria vor 50 Jahren
Gedenkrede von Lois ORTNER bei der Bergmesse am Wolayer See
Hohe Geistlichkeit, geschätzte Bergfreunde
Es ist Mittwoch den 02.September 1959.
Schon seit einigen Tagen scheint in Mauthen die Zeit still zu stehen. Tiefe Trauer und Betroffenheit unter den Bewohnern, in den Fenstern vieler Häuser brennen Kerzen.
Als 12jähriger stehe ich mit meinen Schulfreunden und vielen anderen Leuten am Hauptplatz in Mauthen. Zwei Leichenzüge bewegen sich gleichzeitig in Richtung Kirche, der eine kommt vom Oberörtl, im einfachen Sarg die sterblichen Überreste von Heini Heinricher, getragen von seinen Bergrettungskameraden, der andere Trauerzug kommt über die Würmlacherstraße vom Enderörtl, im Sarg der Leichnam von Hermann Lederer, getragen von seinen Jugendfreunden.
Am Friedhof in Mauthen finden dann Heini und Hermann unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ihre letzte Ruhestätte.
Was war geschehen?
Am Sonntag den 30.08.1959 um 06.00 Uhr begaben sich der 32-jährige Heini Heinricher und sein 18-jähriger Kletterpartner Hermann Lederer von der Unteren Valentinalm zur damaligen Ed.Pichlhütte auf. Um 10.00 Uhr stiegen sie in die 250 Meter hohe Südwand der Carla Maria ein. Sie wollten nach ca. 7 Stunden wieder zurück sein, so versicherten sie es dem damaligen Hüttenwirt und Bergrettungsmann Siegi Trutschnig.
Das Wetter war an diesem Sonntag unbeständig und am Nachmittag zog ein starkes Gewitter mit Regen, Blitz und Nebel auf.
Da Heini und Hermann bis zum frühen Abend noch nicht zurück waren, machte sich der Hüttenwirt Siegi Trutschnig mit den auf der Hütte noch anwesenden Bergsteigern Herbert WASSERMANN, später dann Bergrettungsmann unserer Ortsstelle, der dann im Jahre 1981 bei Abstieg vom Eiskar in der Kellerwand tödlich abstürzte, und Arnold Ortner, Friseur aus Kötschach, auf die Suche nach den beiden Abgängigen.
Starker Nebel, Sturm und Finsternis erschwerte die Suche, Rufe in die Carla Maria blieben unbeantwortet.
Am nächsten Morgen um 05.00 Uhr brachen die drei erneut zur Suche nach Heini und Hermann auf. Kurz später konnten sie die beiden zerschmetterten Körper von Heini und Hermann, noch mit dem Kletterseil verbunden, am Fuße der Carla Maria im Schotterkar tot auffinden.
Trutschnig und seine Begleiter versuchten die Leichen der Abgestürzten noch über die Grenze zum Wolyer See zu bringen. Herbeigeeilte italienische Grenzbeamte verhinderten dies jedoch mit vorgehaltenen Gewehren.
Die Leichen wurden erst am 01.September 1959 von den italienischen Behörden freigegeben und dann von Bergrettungsleuten und Alpingendarmen über das Valentintörl nach Mauthen gebracht.
Über die Absturzursache kann man wohl bis heute nur Vermutungen aussprechen. Jedenfalls mussten Heini und Hermann schon in Gipfelnähe gewesen sein, denn die Uhren der Abgestürzten blieben kurz nach 17.00 Uhr stehen, beide waren noch mit dem Seil verbunden, ohne dass ein ausgebrochener Haken daran gefunden wurde. War das Unwetter schuld am Absturz, hat der Blitz die beiden vom Gipfel geholt, wir werden es niemals ergründen.
Heini Heinricher, genannt wegen seines Mutes und seiner Ausstrahlung, der „Löwe vom Obergailtal”, wohnte in Mauthen, war verheiratet und hatte zwei Kinder.
Heini war Gründungsmitglied der Bergrettungsortsstelle Kötschach-Mauthen und Mitglied des alpinen Landesschikaders. Er wurde Kärntner-Osttiroler Meister im Abfahrtslauf und hat auch viele bedeutende Schirennen gewonnen. Mit seinem genialen Kletterpartner Toni Egger aus Lienz hat er in der Nachkriegszeit zahlreiche schwierige Erstbegehungen im obersten Schwierigkeitsgrad in den Karnischen Alpen und in den Dolomiten gemacht. Darunter auch 1949 die Südwand der Carla Maria und die direkte Nordwand des Kellerwandturmes.
So war auch Toni Egger der „Göti” und Namensgeber seines Sohnes Toni.
Bei vielen Bergfahrten und Erstbegehungen war Heini auch mit unserem erst vor kurzem verstorbenen Bergrettungskameraden Fred Wiegele aus Nötsch unterwegs.
Hermann Lederer, war ebenfalls Mitglied der Bergrettungsortsstelle Kötschach-Mauthen, gelernter Verkäufer und stand kurz vor der Einberufung zum Bundesheer. Der aufstrebende Alpinkletterer war mit seinen alpinen Lehrmeistern Fred Wiegele und Heini Heinricher bei einigen schwierigen Erstbegehungen in den Karnischen mit dabei.
Ein schwerer Schicksalsschlag hat Heini Heinricher Anfang Februar 1959 getroffen. Sein Freund und langjährige Kletterpartner Toni EGGER war bei der Besteigung des Cerro Torre in den patagonischen Anden in Südamerika in der Nordwand durch eine Eislawine ums Leben gekommen.
In seinem neuesten Buch „Torre, ein Schrei aus Stein” widmet Reinhold Messner zahlreiche Seiten den überragenden Kletterunternehmungen von Toni Egger und Heini Heinricher in den Karnischen Alpen und in den Dolomiten.
So hat Messner einmal gesagt: „Die Berge sind Träume auf die wir steigen.”
Vor 50 Jahren haben die Träume von Toni Egger am Cerro Torre, für unsere Bergrettungskameraden Heini Heinricher und Hermann Lederer hier an der Carla Maria ihr jähes Ende auf dieser Welt gefunden.
30/08/2009 - Lois Ortner ÖBRD Kötschach-Mauthen (Zeitzeuge)
Zusatzinfo:
Die komlette Geschicht zur Tragödie wurde von unserem Freund Robby Peters aufgearbeitet und in die Serie der Karnisch-Nostalgischen Bilderbücher aufgenommen.
Die Büchlein sind erhältlich bei:
Buch-Papier-Foto
Moser Matthias
9640 Kötschach 3
Tel.: (+43) 4715 254
Email: copy.moser@aon.at


